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Bei Unfällen mit Motorrädern, Mopeds und Fahrrädern ist deren besondere Fahrdynamik zu berücksichtigen. Ein Zweirad besitzt als einspuriges Fahrzeug zunächst grundsätzlich keine
Eigenstabilität gegen ein Umkippen. Bei sehr geringen Geschwindigkeiten gleicht der Zweiradaufsasse be- ginnende Kippbewegungen mit seinem Körper aus. Mit zunehmender Fahrgeschwin- digkeit werden dann die
sogenannten Kreiselkräfte der Räder wirksam, die zu einer Stabilisierung der aufrechten Position des Zweirades führen.
Bei einer Kurvenfahrt muß sich ein Zweirad, in Abhängigkeit von der Fahrgeschwindigkeit und dem Kurvenradius, zur Seite neigen,
um einen Ausgleich zwischen der zum Kurvenaußenrand hin wirkenden Fliehkraft und der Gewichtskraft zu erreichen. Welche Schräglagen ein Motorradfahrer beim
Durchfahren von Kurven sicher beherrscht, hängt dabei maßgeblich von der Fahrerfahrung ab. Eine weitere Besonderheit des Zweirades ist, daß beispielsweise
ein Kippen des Zweirades nach links zum Durchfahren einer Linkskurve, durch eine anfängliche Lenkbewegung nach rechts eingeleitet wird.
Bei Motorradunfällen ist insbesondere deren Bremsverhalten von Bedeutung. Anders als beim Pkw muß der Zweiradfahrer die Vorder- und
Hinterradbremse in der Regel getrennt voneinander betätigen. Dabei führt ein Überbremsen bzw. Blockieren des Vorderrades häufig unweigerlich zum Sturz, während ein blockiertes Hinterrad
zumeist noch beherrschbar ist. Dem entgegen steht die Tatsache, daß aufgrund der deutlichen Gewichts- verlagerung zwischen Vorder- und Hinterrad beim Bremsen, hohe Bremsverzögerungen letztlich nur mit
der Vorderradbremse zu erreichen sind, während ein gebremstes Hinterrad nur einen relativ geringen Beitrag zur Gesamtverzögerung liefert. Längere Bremsspuren vor einer
Kollision sind daher in der Regel dem Hinterrad eines Krades zuzuordnen. Welche Bremsverzögerungen Motorradfahrer erreichen können und sicher beherrschen, wurde
in umfangreichen Versuchsreihen unseres Büros untersucht. Schließlich ist für die Geschwindigkeitsrückrechnung nach Unfällen mit Motorrädern auch deren
Verformungsverhalten und die Rutschverzögerung des gestürzten Zweirades von Bedeutung.
So ist beispielsweise davon auszugehen, daß das Vorderrad eines Krades nach einem frontalen Anstoß mit ca. 30 km/h gegen eine
Wand am Motorblock anliegt. Welche Geschwindigkeit ein Motorrad abbaut, während es beispielsweise über die Fahrbahn rutscht, hängt u.a. davon ab, ob es sich um ein unverkleidetes oder vollverkleidetes Krad
handelt.
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